Blog zur Vermeidung von Plastik und für nachhaltigen Konsum

Warum die Negativschlagzeilen über Plastik gerechtfertigt sind

13.12.2018 11:59:35 / von Melissa A. Steiner

 

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Noch nie zuvor war die Abneigung gegen Plastik so groß. Das Jahr 2018 brachte einen energischen Aufruhr gegen das Allzweckmaterial mit sich. Es war das Jahr mit schockierenden Bildern von Plastikstränden und an Plastik verendeten Tieren, es war das Jahr mit ausgeklügelten Projekten gegen die Plastikflut und das Jahr, in dem sogar politisch gegen Plastik durchgegriffen wurde. Doch längst schwappt eine neue Bewegung ans Land - eine Gegenbewegung, die in Frage stellt, ob Plastik denn wirklich so schlimm sei, wie überall behauptet wird. Wir von HALM wollen aufräumen mit den verharmlosenden Argumenten für den Gebrauch von Plastik.

Mythos 1: "Wir in Deutschland sind nicht schuld am Plastikmüll in den Meeren. Darum ist unser Plastikkonsum kein Problem."

Mit Schlagzeilen wie "Diese Länder werfen am meisten Plastik in die Meere" rückt der Fokus zunehmend auf einige wenige Länder, die vor allem durch ihre geographische Lage am Meer, ihre relativ schwache wirtschaftliche Stärke und ihre schlecht entwickelten Recyclinganlagen scheinbar für das gesamte Problem zur Rechenschaft gezogen werden müssten. Schaut man jedoch genauer hin, gibt es oftmals einfache Erklärungen für erklärungslose Statistiken. Laut Europäischer Umweltagentur exportierte die Europäische Union beispielsweise bis zum Jahr 2007 mehr Plastikmüll nach Asien als innerhalb der EU. Damit dürfte Deutschland für das Müllproblem im asiatischen Raum mitverantwortlich sein. Diese Länder sind oftmals Schwellenländer, für die die Vermeidung von Plastikmüll noch nicht an erster Stelle steht. Probleme wie sauberes Trinkwasser und Abwasserklärung sind weiter oben auf der Liste. Ausschlaggebend ist, dass das Plastikproblem nicht gelöst wird, indem wir mit dem Finger auf andere zeigen und uns Schuldzuweisungen zuschieben. Technologien gegen Meeresmüll, sollen ohnehin in Schwellenländer exportiert werden, um ihnen bei der Plastikflut zu helfen. Gerade wir haben finanzielle und politische Möglichkeiten, das Problem zu bekämpfen. Zudem rechtfertigt ein geringerer Anteil an Plastikverbrauch nicht, das umweltschädigende Material weiterhin zu verwenden.

"It's only one straw!" (said 8 billion people)

Umso weniger Plastikmüll produziert und weggeschmissen wird, desto besser. Es ist wichtig, dass jeder einzelne seinen Beitrag dazu leistet.

Mythos 2: "Recycling in Deutschland funktioniert, daher können wir guten Gewissens Plastikprodukte nutzen."

Nicht einmal das beste Recyclingsystem kann das Problem der ansteigenden Müllmenge in Deutschland lösen. Nur Dänemark und die Schweiz produzieren im europäischen Vergleich noch mehr. Jährlich sind es in Deutschland 220 Kilogramm pro Kopf. Der Ressourcenverbrauch ist viel zu hoch. Genau hier sollte angesetzt werden, um zu vermeiden, dass Unmengen an Müll entstehen.

Doch auch unsere hochgepriesenen Recyclingquoten dürfen an dieser Stelle angezweifelt werden. Die Quoten betrachten vor allem, was und wie viel in die Recyclinganlagen hineingeht. Was diese aber aus dem Müll machen und wie effizient das funktioniert, spielt für die Statistik keine Rolle. Weniger als die Hälfte des Plastikmülls wird recycelt, der Rest wird verbrannt. Als konkretes Beispiel können mechanisch-biologische Aufbereitungsanlagen in Betracht gezogen werden, die beispielsweise Hausmüll trennen. Diese Anlagen gewinnen jedoch vor allem Metalle zurück. Im Hausmüll enthaltener Kunststoff oder Papier ist oftmals so verunreinigt, dass er nur noch als Brennstoff taugt. Doch auch diese Menge zählt zur offiziellen Recycling-Quote dazu, weil sie eine Recycling-Anlage durchläuft. Genau das erweckt einen falschen Eindruck unserer Recyclingprozesse.

Mythos 3: "Mikroplastik ist nicht gesundheitsschädlich."

Mikroplastik ist in aller Munde. Und zwar nicht nur sprichwörtlich. Angefangen hatte es mit den Befunden in Fischen, die das Mikroplastik durch die verschmutzten Meere in sich aufnehmen. Längst findet man Mikroplastik scheinbar überall: Im Trinkwasser, in Landtieren und nun sogar im menschlichen Körper. Das Problem: Wegen der fehlenden Erfahrung mit Mikroplastik gibt es noch keine offiziellen Grenzwerte. Aktuell liegen die Messungen häufig noch unter den Grenzwerten, die bei vergleichbaren Schadstoffen angesetzt werden. Außerdem befindet sich die Forschung zum Thema Mikroplastik noch in den Kinderschuhen. Da man erst jetzt Befunde in Tieren und Menschen nachweisen konnte, kann man zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussage darüber treffen, wie sich das Plastik langfristig auf unseren Organismus auswirken wird. Das ist aber kein Grund, sich zurückzulehnen, denn der Plastikkonsum steigt weltweit rasant an. Damit wird unweigerlich auch der Mikroplastik-Anteil in unserer Ernährung und damit in unserem Körper steigen. Zum jetzigen Zeitpunkt scheinen die Messwerte noch tolerabel zu sein. Aber bei gleichbleibendem oder sogar steigenden Plastikverbrauch werden auch diese Werte irgendwann auf ein gesundheitsschädigendes Maß ansteigen. Erste Alarmzeichen gibt es bereits, wie zum Beispiel das Phänomen der Kreidezähne, von dem vermutet wird, dass es von in Plastik enthaltenen Weichmachern ausgelöst wird.

Mythos 4: "Die Ökobilanz von Glasflaschen ist schlechter als die von Plastikflaschen."

Tatsächlich gibt es bei der Ökobilanz von Glasflaschen bisher ein Problem: Viele Wassermarken haben eine Quelle und transportieren ihr Wasser von dort aus hunderte von Kilometer zu den Zielorten. Dies erhöht die CO2-Emissionen und trägt zu einer schlechteren Ökobilanz bei. Doch grundsätzlich ist die Glasflasche als Mehrwegprodukt die umweltschonendere Variante. Sinnvoller wäre es daher, direkt am Ursprung des Problems anzusetzen und nicht an der Stelle, an der es eigentlich schon falsch läuft. Unsere Mobilität basiert bisher noch auf fossilen Gegebenheiten, befindet sich jedoch im Wandel. Mittelfristig wird Transport elektrisch stattfinden und insofern wird der Co2-Fußabdruck für Mobilität zwangsläufig sinken. Genau hier ist der Punkt, an dem verstärkt investiert werden sollte, damit die Mobilität den Erfolg der Glasflasche nicht zum Scheitern bringt. Schon allein weil Plastik aus fossilen Rohstoffen hergestellt wird, ist die Möglichkeit seiner Verwendung endlich. Insofern ist es sinnvoll, schon heute darauf hinzuwirken, so schnell wie möglich Alternativen nutzen. Es kann keine Lösung sein, nur deshalb auf ein umweltschädliches Produkt wie die Plastikflasche zu setzen, weil es im Bereich nachhaltige Mobilität nicht schnell genug voran geht.

Zusammenfassend wird deutlich, dass die Argumente, die für Plastik sprechen, oftmals sehr aussagekräftig erscheinen und manchmal den Eindruck erwecken, die Negativschlagzeilen über die Plastikflut seien überspitzt. Noch immer ist die Forschung nicht am Ziel und einige Sachverhalte rund um das Thema Plastik (zum Beispiel Mikroplastik) konnten noch nicht vollständig aufgeklärt werden. Feststeht jedoch, dass Plastik zwar ein praktisches Allzweckmaterial darstellt, jedoch auf vielen Ebenen eine nachgewiesene Gefahr für Mensch, Tier und Natur darstellt. Jedes Stück Plastik, das nicht nachgefragt und wird, jede Plastikverpackung, die durch eine nachhaltige Verpackung ersetzt wird und jede Glasflasche, die man sich statt einer PET Einwegflasche befüllt, wird langfristig dazu beitragen, dem Plastikwahnsinn Stück für Stück entgegenzuwirken. Also denkt beim nächsten Einkauf an den Jutebeutel, nehmt einen HALM für Restaurants mit, in denen es nur Plastikstrohhalme gibt und besucht öfter einen Unverpackt Laden. Denn nur gemeinsam können wir unseren hohen Plastikverbrauch verringern.

 

 

 

Melissa A. Steiner

Geschrieben von Melissa A. Steiner

Als Junior Content Marketing Manager sorgt Melissa bei HALM dafür, dass ihr auf den Online-Kanälen von HALM über alle aktuellen und spannenden Veränderungen zum Thema HALM und Plastik informiert werdet. Ihr Lieblings HALM ist der gebogene 23cm HALM, denn der hat eine ganz besonders schöne Optik und ist daher ein absoluter Hingucker!