Blog zur Vermeidung von Plastik und für nachhaltigen Konsum

Das EU-Plastikverbot: Eine Chance oder chancenlos?

17.11.2018 13:21:03 / von Melissa A. Steiner

Wie ein Albtraum schwirren die Bilder noch in unseren Köpfen - die kilometerlangen Plastikwellen vor der Küste der Dominikanischen Republik. Vergangenen Sommer ging das Video viral und löste tiefe Bestürzung und Empörung aus. Worüber wir am meisten sauer waren? Unser eigenes Verhalten. Denn dieser Strand steht stellvertretend für hunderte andere ehemalige Traumorte am Meer, die durch unseren Konsum zu dem geworden sind, was sie heute sind: Landstriche, die Müllhalden gleichen. Doch seit Beginn diesen Jahres gibt es gleichzeitig einen Hoffnungsschimmer: Die EU-Kommission reichte im Mai einen Gesetzentwurf zur Eindämmung von Einwegplastik ein. Wenn auch kein komplettes Verbot vorgeschlagen wurde, scheint dies wie der lang ersehnte Kescher im Meer voller Plastik. Denn eins ist klar: Allein können Konsumenten nur bedingt mithelfen, die große Plastikflut zu reduzieren. Die großen Schalter müssen von der Politik sowie der Industrie umgelegt werden.

Zur Reduzierung von Plastikmüll wurde bereits im Mai 2018 der erste Entwurf der EU-Kommission veröffentlicht. Was steht eigentlich genau in dem Entwurf? Im Mittelpunkt stehen hier die 10 Einwegprodukte, die am häufigsten an Stränden zu finden sind. Diese richten einen besonders großen Schaden an, da sie nur für wenige Minuten benutzt werden, jedoch hunderte von Jahren benötigen, um sich zu zersetzen. Gelangt dieses Einwegplastik in die Natur, verursacht es große Schäden an Tieren und Umwelt. Vom Markt genommen sollen daher Einwegplastik-Produkte, für die es bereits umweltfreundliche Alternativen gibt. Produkte, für die es noch keine nachhaltigen Alternativen gibt, sollen entsprechend gekennzeichnet werden und die Hersteller zur Abfallbewirtschaftung verpflichten. Den Recyclingprozess gründlich zu durchdenken ist essentiell, denn nur 30% des hergestellten Plastiks in Europa werden recycelt. Der Rest wird verbrannt, landet auf Deponien oder in der Umwelt.

Weiterhin umfasst der Entwurf folgende Themenbereiche:

  • Verbot von Kunststoff in bestimmten Produkten
  • Verbrauchsverminderung für Lebensmittelverpackungen und Getränkebecher
  • Verpflichtungen für die Hersteller
  • 90% Sammelquote von Einwegflaschen erreichen
  • Kennzeichnungsvorschriften zur Entsorgung und negativen Umweltauswirkungen auf den Produkten
  • Sensibilisierung der Verbraucher für die negativen Umweltauswirkungen

Am 24. Oktober 2018 dann der weitere Schritt Richtung Plastikverbot: Das Europaparlament stimmt der EU-Kommission zum Entwurf zu. Ganz konkret ist nun geplant Einwegplastikprodukte, für die es bereits umweltfreundliche Alternativen gibt, bis zum Jahr 2021 vom Markt zu verbannen. Welche Produkte genau dazugehören? Hier eine Übersicht:

 

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Bis zum Jahr 2025 sollen außerdem 90% der Plastikflaschen recycelt werden.

Von den Mitgliedsstaaten der EU müssen diese Richtlinien in nationales Recht umgesetzt werden. Und genau an dieser Stelle kann bereits bei den Verhandlungen zu Problemen kommen. Warum? Nationales Recht ist in jedem europäischen Land anders. Das bedeutet, dass jeder verschiedene Prioritäten, Schwerpunkte und Meinungen hat, wenn es um das Thema Plastik geht. Nicht festgelegt ist, auf welche Art und Weise die Umsetzung der Beschlüsse in den einzelnen Ländern geregelt werden soll, welches ein großes Defizit der Beschlüsse darstellt. Es könnte passieren, dass einzelne Mitgliedsstaaten ihre industriellen Interessen bei den Beratungen geltend machen. Länder, die stark von der Plastikindustrie abhängen, könnten versuchen die Richtlinie aufzuweichen. Andere Länder könnten wiederum argumentieren, dass sie wegen mangelnder Wirtschaftskraft auf Subventionen angewiesen sind, um die Richtlinie umzusetzen. Dies sind nur einige der möglich denkbaren Stolpersteine, die auf dem Weg zur Umwandlung in nationales Recht auftreten können.

Kommt es zu einer Einigung und die Beschlüsse werden bis 2021 umgesetzt, gibt es immer noch das Problem der Kontrolle. Ein einfaches Vergleichsbeispiel stellt das BIO-Siegel dar. Gibt man Obst oder Gemüse mit BIO- Label in ein Labor, so kommt es häufig vor, dass Pestizide und Chemikalien darauf gefunden werden. Wie kann das sein? Längst nicht alle BIO-Bauern halten sich an die strengen Regelungen des Siegels und spritzen trotzdem Chemikalien, um Obst oder Gemüse länger haltbar und resistenter zu machen. Fragt man nach, so gibt es Äußerungen wie: “Die Chemikalien sind von der Nachbarfarm rübergeflogen. Das können wir nicht beeinflussen und somit trägt uns keine Schuld.”

Aussagen wie diese nachzuprüfen, ist aufwendig und wird nur in den seltensten Fällen weiterverfolgt. In unserer Gesellschaft leben wir also wissentlich mit der Tatsache, dass BIO nicht gleich BIO ist und wir nicht immer das bekommen, was drauf steht. Ähnliche Szenarien könnte sich auch mit dem neuen Plastikverbot abspielen. Folglich hat ein Gesetz also erst dann Durchsetzungskraft, wenn es auch die nötigen Kontrollmechanismen dafür gibt. Kein unwesentlicher Teil spielt zudem die Plastikindustrie. Denn der kommt das Einwegplastikverbot natürlich nicht gelegen. Denkbar sind Versuche das Verbot zu umgehen oder Lücken zu finden, damit die Plastikproduktion weitergeführt werden kann.

Man sieht also - die Richtlinie ist zwar ein beachtlicher Schritt und kann die Voraussetzung für weitere Einschränkungen schaffen. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass sie auch so umgesetzt wird. Es bedeutet auch nicht, dass von heute auf morgen alles Plastik aus unseren Ozeanen verschwinden wird und kein Plastikmüll mehr anfällt. Und es bedeutet vor allem nicht, dass der Beschluss genug ist, sondern nur ein Anfang an Maßnahmen, die noch folgen müssen, damit wir das Plastikproblem in den Griff bekommen.

Nun heißt es ohnehin erstmal abwarten. Im Dezember wollen sich die Umweltminister der EU-Staaten auf eine gemeinsame Position verständigen, damit anschließend Verhandlungen zwischen dem EU-Parlament, der EU-Kommission und den Mitgliedstaaten beginnen können. Bis dahin können wir nur weiterhin das tun, was wir bereits eifrig versuchen: so wenig Plastik wie möglich verwenden, umweltbewusst leben und darauf achten, dass Tiere, Natur und Mitmenschen fair behandelt werden.

 

 

Melissa A. Steiner

Geschrieben von Melissa A. Steiner

Als Junior Content Marketing Manager sorgt Melissa bei HALM dafür, dass ihr auf den Online-Kanälen von HALM über alle aktuellen und spannenden Veränderungen zum Thema HALM und Plastik informiert werdet. Ihr Lieblings HALM ist der gebogene 23cm HALM, denn der hat eine ganz besonders schöne Optik und ist daher ein absoluter Hingucker!